Rund 80 Gäste feierten am heutigen Sonnabendnachmittag, 5. September 2026, in der Aula der Grundschule Aligse das 75-jährige Bestehen der Ortsfeuerwehr – unter dem Motto „1951 bis 2026 – Von der Gemeindefeuerwehr zur Stadtfeuerwehr“.
Ortsbrandmeister Maximilian Wilzewski begrüßte die Gäste zur Feierstunde und sprach von einer „großen Freude und besonderen Ehre“, den Nachmittag mit so vielen Freunden, Gästen und Wegbegleitern begehen zu dürfen.
Unter den Gästen waren unter anderem Lehrtes Bürgermeister Frank Prüße, der Leiter des Fachdienstes Sicherheit und Ordnung bei der Stadt Lehrte, Michael Grossmann, Mitglieder des Ortsrates sowie Stadtbrandmeister Hendrik Voges. Ebenso begrüßte er Abordnungen der Feuerwehren aus Immensen, Lehrte, Kolshorn, Röddensen, Sievershausen und Steinwedel, an deren Spitze Immensens Ehrenortsbrandmeister Rainer Fricke und die Ortsbrandmeister Marc Wilhelms, Reinhardt Rohde, Martin Voß und Peter Czurgelies. Auch die Vorsitzende der Schützengesellschaft Aligse, Adelheide Bertram, der Verein zur Förderung der Dorfgemeinschaft und der ehemalige Ortsbrandmeister Dirk Priegnitz gehörten zu den Gästen, dazu Mitglieder der Alters-, Jugend- und Einsatzabteilung der Ortsfeuerwehr. Für die musikalische Umrahmung sorgte die Feuerwehrkapelle Evern.
Von der Pflichtfeuerwehr zur Ortsfeuerwehr
Am 26. September 1951 wurde die Ortsfeuerwehr Aligse gegründet und löste damit die bis dahin bestehende Pflichtfeuerwehr ab – die letzte ihrer Art im damaligen Landkreis Burgdorf. Wilzewski erinnerte daran, dass Jubiläen wie dieses mehr seien als eine Zahl: Sie erzählten von Menschen, die bereit waren und sind, Freizeit, Kraft und mitunter auch ihre Gesundheit einzusetzen, um anderen zu helfen.
Die Chronik: Von der gebrauchten Tragkraftspritze zum modernen Fahrzeugpark
Axel Siemon zeichnete in seinem Chronik-Vortrag die Entwicklung der Wehr nach. Die Anfänge waren bescheiden: eine gebrauchte Tragkraftspritze, umgefärbte Wehrmachtsuniformen, keine hochwertige Schutzausrüstung. Was zählte, waren Motivation, Pflichtbewusstsein und die Bereitschaft, Verantwortung für das Dorf zu übernehmen. Die Feuerwehr war von Anfang an mehr als Brandbekämpfung – sie war Gemeinschaft und Heimat.
Die Gebietsreform 1974 brachte einen tiefgreifenden Wandel: Aus der eigenständigen Gemeinde wurde ein Ortsteil der Stadt Lehrte. Die Sorge, dabei die eigene Identität zu verlieren, bestätigte sich nicht – im Gegenteil: Die neue Zusammenarbeit mit den anderen Ortsfeuerwehren im Stadtgebiet erwies sich als großer Erfolg und wurde schon damals gelobt. Aus mehreren Feuerwehren wurde eine starke, partnerschaftliche Gemeinschaft auf Augenhöhe.
Auch bei den Räumlichkeiten musste die junge Wehr improvisieren: Das erste Feuerwehrhaus an der B443, Ecke Peiner Heerstraße, teilte sie sich mit dem örtlichen Leichenwagen. Ende der 1960er-Jahre wurde über neue Räume diskutiert, 1971 baute die Wehr das ehemalige Aligser Badehaus mit hoher Eigenleistung und einer Investition von 20.000 D-Mark zum Gerätehaus um – ein für die damalige Zeit bedeutendes Projekt, das zum Mittelpunkt des Feuerwehrwesens im Ort wurde. 1986 kam ein Anbau mit zusätzlicher Fahrzeughalle hinzu, in den 1990er-Jahren wurden in großem persönlichem Engagement Wohnräume zu Schulungs- und Aufenthaltsräumen umgebaut, 2010 folgte eine weitere Fahrzeughalle.
„Die Feuerwehr Aligse hat nicht darauf gewartet, dass andere ihre Probleme lösen“, brachte es Siemon auf den Punkt – die Wehr habe stets selbst angepackt und Verantwortung übernommen. Die bisherigen Gebäude nannte er „Denkmäler ehrenamtlichen Engagements“. Zugleich machte er deutlich: Das heutige Gerätehaus entspricht nicht mehr den Anforderungen der Zeit, bauliche Maßnahmen sind dringend erforderlich.
Auch technisch spannte Siemon einen weiten Bogen – von der gebrauchten Tragkraftspritze über den Opel Blitz bis zum modernen TSF-W: Aus reiner Brandbekämpfung sei über die Jahrzehnte eine multifunktionale Hilfeleistungsorganisation geworden. Dass es zeitweise sogar eine eigene Feuerwehrkapelle gab, zeige, dass Feuerwehr in Aligse immer mehr war als Dienst nach Vorschrift – nämlich Zusammenhalt und Tradition.
Starke Nachwuchsarbeit und wachsende Einsatzzahlen
Besonderen Stolz zeigte die Wehr bei der Nachwuchsarbeit: 1978 wurde die Jugendfeuerwehr gegründet, 2007 folgte die Kinderfeuerwehr – als eine der ersten ihrer Art im gesamten Stadtgebiet Lehrte. 1997 gründete sich der Förderverein der Ortsfeuerwehr, der dort einspringt, wo die Stadt zwar zuverlässig ihren Pflichten nachkommt, es aber Dinge gibt, die darüber hinausgehen – insbesondere zugunsten der Nachwuchsarbeit und der Einsatzkräfte von morgen.
Dass die Feuerwehr längst mehr leistet als klassischen Brandschutz, zeigte sich unter anderem 2015, als Einsatzkräfte bei der Ankunft von Flüchtlingen am Bahnhof Lehrte halfen. In jenen Jahren erreichten auch die Einsatzzahlen für Aligse Rekordwerte: 2012 waren es 40 Einsätze, 2015 bereits 45, 2017 mit 57 Einsätzen so viele wie nie zuvor. Zum vielfältigen Aufgabenspektrum zählten zuletzt auch Wald- und Vegetationsbrände, Großbrände und der Einsatz während der Corona-Pandemie.
Über die Landesgrenzen hinaus pflegt die Wehr eine Partnerschaft mit der Feuerwehr Wolmirsleben, die bis heute aktiv gelebt wird – ein Verdienst, an dem Friedrich Bartels großen Anteil hatte. Sie zeige eindrucksvoll, dass Feuerwehr Menschen verbinde, so Siemon.
„Eine Feuerwehr besteht nicht nur aus Räumen, Fahrzeugen und Geräten, sie besteht aus Menschen“, fasste Siemon zusammen. Die Geschichte der Ortsfeuerwehr Aligse sei eine Erfolgsgeschichte, die von Mut, Engagement und Hilfsbereitschaft erzähle – von einem starken Dorf, für das Zusammenhalt der Garant für die Gemeinschaft sei. Als Herausforderungen für die Zukunft nannte er die Nachwuchsgewinnung und ein zeitgemäßes Feuerwehrhaus, und dankte Politik und Verwaltung für die Unterstützung.
Grußworte: Lob für Eigenständigkeit und Ehrenamt
Bürgermeister Frank Prüße gratulierte der Wehr und erinnerte daran, dass 1951 – als Konrad Adenauer erst zwei Jahre Bundeskanzler war und Deutschland mitten im Wiederaufbau steckte – es den Menschen deutlich schlechter ging als heute, der Optimismus aber groß war. Dass man sich in Aligse entschied, eine Feuerwehr zu gründen, komme wohl aus derselben Haltung: „Wir packen es an.“ Genau das stecke für ihn in der DNA der Feuerwehr – Probleme selbst zu lösen und eigenständig tätig zu werden. Er lobte die unglaubliche Expertise der Wehr, die längst nicht mehr nur Brandschutz, sondern auch Rettung und Bergung leiste und dafür mit die beste Ausrüstung benötige. Jede Ortsfeuerwehr in Lehrte habe dabei ihre Berechtigung, wie auch der Feuerwehrbedarfsplan zeige – und hinter jeder Feuerwehr stünden die Menschen als eigentliche Experten. Er schätze besonders, dass die Wehren klar kommunizieren, was sie brauchen, statt Umwege zu gehen; die Stadt könne dem folgen, wenn auch nicht alles gleichzeitig gehe. Ehrenamt sei zudem keine Einbahnstraße: Wer sich einbringe, bekomme auch etwas zurück – unter anderem Kameradschaft und Zusammenhalt. Man könne noch so viele Häuser bauen und Fahrzeuge kaufen, am Ende seien es die Menschen, die dahinterstünden. Dafür dankte er der Wehr, dass sie seit 75 Jahren den Brandschutz in Aligse sichere.
Stadtbrandmeister Hendrik Voges bezeichnete die 75 Jahre als besonderen Anlass, auf den man gemeinsam mit Stolz zurückblicken könne. Auch wenn sich die Anforderungen seit 1951 verändert hätten, sei eines gleich geblieben: Menschen aus Aligse seien bereit, Verantwortung zu übernehmen und ihre Freizeit in den Dienst am Nächsten zu stellen – rund um die Uhr einsatzbereit. Das funktioniere nur mit Familien, die es mittragen, Arbeitgebern, die freistellen, und Förderern im Rücken. Ein Feuerwehrhaus müsse Heimat und funktionaler Ort für die Einsatzkräfte zugleich sein – ein neues stehe für Aligse in greifbarer Nähe, wofür er Bürgermeister Prüße sowie Rat und Verwaltung dankte. Engagement und Einsatz der Wehr verdienten Respekt.
Adelheide Bertram erinnerte an die Zeit des Wiederaufbaus 1951, als es noch ohne Funk und moderne Technik Mut und Entschlossenheit brauchte. Die Feuerwehr sei längst nicht mehr nur für die Menschen vor Ort da und passe sich stetig den Erfordernissen der Zeit an – unverändert bleibe dabei, dass der Mensch im Mittelpunkt stehe. Dafür, dass die Wehr jederzeit einsatzbereit sei, dankte sie ausdrücklich.
Zum Abschluss bedankte sich Ortsbrandmeister Maximilian Wilzewski herzlich bei allen, die den besonderen Nachmittag mitgestaltet hatten – für die Anwesenheit, die Glückwünsche und Grußworte sowie die zum Ausdruck gebrachte Verbundenheit mit der Feuerwehr. Ausdrücklicher Dank ging an Sponsoren und Unterstützer, ohne die vieles rund um das Jubiläum nicht möglich gewesen wäre, sowie an alle Kameradinnen und Kameraden und Helfer, die viel Zeit, Arbeit und Herzblut in die Vorbereitungen gesteckt hatten. Im Anschluss ließen die Gäste den Nachmittag bei Essen, Gesprächen und Erinnerungen gemütlich ausklingen.